In KI-Suchen gefunden werden: GEO im B2B

Angesteller bei der Recherche nach IIoT-Lösungen

Sichtbar in ChatGPT, Gemini und Claude

Wie Industrie- und Logistikunternehmen ihre Kommunikation auf KI-gestützte Recherche ausrichten

**Immer mehr B2B-Entscheider beginnen ihre Lösungssuche nicht mehr bei Google, sondern bei ChatGPT, Gemini oder Perplexity. Wer als Anbieter dort nicht als Quelle auftaucht, fehlt auf der Shortlist, bevor der Beschaffungsprozess überhaupt beginnt. Sichtbarkeit in KI-Antworten ist dabei weniger ein technisches als ein kommunikatives Thema.**

Wie stark sich das Rechercheverhalten verschoben hat, zeigt eine G2-Studie vom März 2026, über die das Fachmagazin Beschaffung aktuell berichtet: Demnach starten 51 Prozent der befragten Einkäuferinnen und Einkäufer ihre Software-Recherche häufiger mit einem KI-Chatbot als mit Google. Ein Jahr zuvor waren es 29 Prozent. 69 Prozent entschieden sich am Ende für einen anderen Anbieter als ursprünglich geplant. Die Zahlen stammen aus dem Software-Einkauf, doch das Muster lässt sich auf technische Investitionsgüter übertragen: Auch dort beginnt die Anbieterauswahl mit einer offenen Frage, nicht mit einem Firmennamen.

Für Industrie- und Logistikunternehmen entsteht daraus eine unbequeme Situation. Fachliche Substanz ist reichlich vorhanden, aber sie steckt in Köpfen, Angeboten und PDF-Dokumenten hinter Kontaktformularen. KI-Systeme kennen ausschließlich das, was öffentlich dokumentiert und maschinell lesbar ist. Marktführerschaft schützt davor nicht.

Generative Engine Optimization gehört damit zu den wichtigsten Entwicklungen in der B2B-Kommunikation überhaupt. Dieser Beitrag zeigt, was daraus praktisch folgt: wie KI-Systeme Quellen auswählen und mit welchen fünf Schritten Unternehmen ihre Sichtbarkeit systematisch aufbauen.

### Warum KI-Systeme anders auswählen als Suchmaschinen

KI-Assistenten liefern keine Trefferliste, sondern eine fertige Antwort mit wenigen genannten Quellen. Statt eine Suchanfrage abzuarbeiten, zerlegen sie die Frage eines Nutzers in mehrere Teilfragen, suchen dafür passende Textabschnitte und setzen daraus eine Antwort zusammen. Nicht die Website als Ganzes konkurriert also um Aufmerksamkeit, sondern der einzelne Absatz, der eine Teilfrage sauber beantwortet.

Dabei verhalten sich die Systeme unterschiedlich. Perplexity weist zu nahezu jeder Antwort die verwendeten Quellen aus und eignet sich deshalb gut als Testfeld für die eigene Zitierfähigkeit. ChatGPT nennt Quellen deutlich seltener, erreicht aber die mit Abstand größte Nutzerbasis. Gemini fließt über die AI Overviews direkt in die Google-Suche ein. Claude und Microsoft Copilot wiederum sind in vielen Unternehmen als Arbeitswerkzeuge im Einsatz, wo ihre Einschätzungen in interne Recherchen, Anbietervergleiche und Entscheidungsvorlagen einfließen, ohne dass eine öffentliche Suchanfrage jemals stattfindet.

Daraus folgt ein anderer Qualitätsmaßstab. Eine Seite kann bei Google gut ranken und in KI-Antworten trotzdem nie vorkommen, weil sie zwar die richtigen Begriffe enthält, aber keine klar formulierte Aussage. Umgekehrt kann ein präziser Anwendungsbericht ohne große Reichweite regelmäßig zitiert werden, weil er eine wiederkehrende Fachfrage eindeutig beantwortet. Diese Optimierung für Antwortsysteme wird als Generative Engine Optimization bezeichnet, kurz GEO.

### Woran KI-Systeme erkennen, welchen Quellen sie folgen

Belegte, konkrete und klar formulierte Inhalte werden messbar häufiger zitiert als werbliche Texte. Die Grundlagenstudie GEO: Generative Engine Optimization Forschenden aus Princeton, Georgia Tech und dem Allen Institute for AI hat 2024 verschiedene Textmerkmale über zehntausend Suchanfragen hinweg getestet. Zitate von Fachleuten steigerten die Sichtbarkeit in KI-Antworten um 41 Prozent, belastbare Statistiken um 32 Prozent, nachvollziehbare Quellenangaben um 30 Prozent, sprachliche Klarheit um 28 Prozent.

Ein zweiter Faktor kommt hinzu: Übereinstimmung. KI-Systeme gewichten Aussagen stärker, wenn sie an mehreren unabhängigen Stellen im Netz bestätigt werden. Ein Unternehmen, das sich auf der eigenen Website als Spezialist für Fördertechnik in der Lebensmittelindustrie beschreibt, in Fachmedien, Verbandsverzeichnissen und auf LinkedIn aber unterschiedlich dargestellt wird, liefert ein unscharfes Bild. Genau an dieser Stelle wird klassische Pressearbeit zum Sichtbarkeitsfaktor.

### Schritt 1: Die eigene Ausgangslage prüfen

Der Einstieg kostet wenig Zeit und schafft Klarheit. Sinnvoll ist eine Liste der zehn bis fünfzehn Fragen, die Kunden im Erstgespräch typischerweise stellen, ausformuliert als vollständige Fragen. Diese werden nacheinander in ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity eingegeben und die Antworten protokolliert: Welche Anbieter werden genannt? Welche Quellen zitieren die Systeme? Und wird das eigene Unternehmen überhaupt erwähnt, und wenn ja, korrekt beschrieben?

Fehlerhafte Beschreibungen sind dabei häufiger als vollständiges Fehlen. Veraltete Geschäftsfelder, falsche Standortangaben oder eine Verwechslung mit ähnlich benannten Wettbewerbern tauchen regelmäßig auf. Eine Wiederholung dieser Stichprobe im Quartalsrhythmus reicht aus, um Veränderungen zu erkennen.

### Schritt 2: Die Website vom Prospekt zur Wissensquelle entwickeln

Zitierfähig sind Inhalte, die eine Fachfrage vollständig und ohne Vorwissen beantworten. In der Praxis bedeutet das, Themenseiten und Fachbeiträge an echten Fragen auszurichten, die Antwort im ersten Satz nach der Zwischenüberschrift zu geben und jeden Abschnitt so zu schreiben, dass er auch isoliert verständlich bleibt. Rückverweise wie „wie eingangs erwähnt“ verlieren ihren Sinn, sobald ein System nur diesen einen Absatz verwendet.

Besonders folgenreich ist der Umgang mit den eigenen Fachinhalten: Whitepaper, Studien und technische Dokumentationen liegen im Maschinenbau häufig als PDF hinter einem Registrierungsformular. Diese Praxis gehört auf den Prüfstand. „Gated Content“ stammt aus einer Zeit, in der die Kontaktdaten den Gegenwert für die Aufmerksamkeit bildeten. Heute schließt das Formular die stärksten Inhalte eines Unternehmens genau von den Systemen aus, über die Entscheider ihre Vorauswahl treffen. Das beste Whitepaper nützt wenig, wenn es in der Phase unsichtbar bleibt, in der die Anbieterliste entsteht.

Ein tragfähiger Kompromiss besteht darin, die Kernaussagen als frei zugängliche Textseite zu veröffentlichen und die vertiefende Fassung mit Rohdaten, Grafiken und Berechnungsbeispielen weiterhin gegen Kontaktdaten anzubieten. Eine objektive Betrachtung der Kosten zeigt, dass die dauerhafte Unsichtbarkeit in vielen Fällen nicht die Mühe wert ist, die mit der jährlichen Bearbeitung von hunderten Formularen verbunden ist.

Ebenso wirksam sind Inhalte, die Industrieunternehmen ohnehin produzieren, aber selten öffentlich zeigen: Anwendungsberichte mit konkreten Kennzahlen, Erklärungen zu Normen und Prüfverfahren, Vergleiche technischer Lösungsansätze, Antworten auf typische Auslegungsfragen. Solche Inhalte beantworten genau die Fragen, die Entscheider einer KI stellen.

### Schritt 3: Fachmedienarbeit als Vertrauenssignal nutzen

KI-Systeme bewerten unabhängige Quellen höher als Selbstauskünfte. Ein Fachartikel in einem Branchenmagazin, ein Interview in einer Logistikpublikation oder die Erwähnung in einer Verbandsstudie wirken deshalb doppelt: Sie erreichen die klassische Leserschaft und liefern zugleich die externe Bestätigung, auf die generative Systeme angewiesen sind.

Der Aufwand unterscheidet sich kaum von guter Pressearbeit, wie sie im B2B ohnehin geboten ist. Neu ist der Blick auf Konsistenz. Unternehmensbeschreibung, Positionierung und Kompetenzfelder sollten in Pressemitteilungen, Mediendatenbanken, Branchenverzeichnissen und auf der eigenen Website erkennbar dieselbe Sprache sprechen. Eine gepflegte Boilerplate ist nicht länger nur Formalismus, sondern ein wertvolles Instrument zur Sichtbarkeit.

### Schritt 4: LinkedIn als zitierte Quelle ernst nehmen

LinkedIn hat sich zu einem der wichtigsten Belege für berufliche Fragestellungen entwickelt. Eine Auswertung des Analysedienstleisters Profound identifizierte die Plattform im März 2026 als meistzitierte Domain bei professionellen Anfragen über AI Overviews, ChatGPT, Copilot und Perplexity hinweg. Für B2B-Anbieter ist ein gut gepflegtes Unternehmensprofil mit einer präzisen Beschreibung der angebotenen Leistungen ein direkter Weg, um Sichtbarkeit zu erlangen.

Mindestens genauso wichtig sind die persönlichen Profile von Geschäftsführung und Fachexperten. Fundierte Beiträge zu Branchenfragen, Einschätzungen zu Normen und Marktentwicklungen oder Erfahrungsberichte aus Projekten schaffen genau die Verbindung zwischen Person, Unternehmen und Fachthema, die KI-Systeme auswerten. Reine Reichweitenposts leisten das nicht.

### Schritt 5: Wirkung messen, ohne sich in Kennzahlen zu verlieren

Ein realistisches Messkonzept beginnt mit drei Größen. Erstens der Anteil der getesteten Fragen, bei denen das eigene Unternehmen genannt wird. Zweitens der Traffic, der laut Website-Analyse aus KI-Diensten stammt, erkennbar an Verweisen von Domains wie chatgpt.com oder perplexity.ai. Drittens die schlichte Frage im Erstgespräch, wie ein Interessent auf das Unternehmen aufmerksam geworden ist.

Diese Werte ersetzen keine Marketingkennzahlen, zeigen aber die Richtung. Wichtiger als Präzision ist Kontinuität: Sichtbarkeit in KI-Antworten baut sich über Monate auf, weil Inhalte erst erfasst, mehrfacht bestätigt und dann als verlässlich eingestuft werden müssen.

### Warum der Mittelstand hier im Vorteil sein kann

Der Wettbewerb um KI-Sichtbarkeit ist in vielen technischen Nischen bislang gering. Zu zahlreichen Spezialfragen aus Maschinenbau, Automatisierung, Intralogistik oder erneuerbaren Energien existieren oft noch keine guten, öffentlich zugänglichen Quellen. Wer sein Fachwissen jetzt strukturiert dokumentiert, wird zu der Referenz, auf die sich KI-Systeme später beziehen.

Diese Maßnahmen erfordern keine neue Softwareplattform und kein zusätzliches Budget für Werbeschaltungen. Stattdessen geht es darum, vorhandene Expertise systematisch zu nutzen und die redaktionelle Disziplin zu bewahren, dies über Monate hinweg konsequent durchzuführen.

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Häufige Fragen zur Sichtbarkeit in KI-Suchsystemen

**Was ist Generative Engine Optimization (GEO)?**
GEO bezeichnet die Ausrichtung von Inhalten auf KI-gestützte Antwortsysteme wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Perplexity. Anders als klassische Suchmaschinenoptimierung (SEO) zielt GEO nicht auf Platzierungen in einer Trefferliste, sondern darauf, dass ein Inhalt als verlässliche Quelle erkannt, verwendet und zitiert wird. Entscheidend sind klar beantwortete Fachfragen, belegte Aussagen und eine konsistente Darstellung des Unternehmens über verschiedene Quellen hinweg.

**Ersetzt GEO die klassische Suchmaschinenoptimierung?**
Nein. GEO baut auf denselben Grundlagen auf: technisch saubere Websites, klare Struktur, inhaltliche Qualität. Der Unterschied liegt in der Gewichtung. Während SEO auf Klicks und Rankings optimiert, zählt bei GEO die Nennung innerhalb einer generierten Antwort. Beide Ebenen sollten parallel bedient werden, da ein erheblicher Teil der Recherche weiterhin über klassische Suche läuft.

**Welche Inhalte eignen sich für Industrieunternehmen besonders?**
Am wirksamsten sind Inhalte mit überprüfbarer Substanz: Anwendungsberichte mit konkreten Kennzahlen, Erklärungen zu Normen und Prüfverfahren, Vergleiche technischer Lösungsansätze und Antworten auf wiederkehrende Auslegungsfragen. Produktbroschüren und werbliche Selbstbeschreibungen werden dagegen selten als Quelle herangezogen.

**Wie lange dauert es, bis sich Sichtbarkeit in KI-Antworten aufbaut?**
In der Regel mehrere Monate. Quellenbasierte Systeme wie Perplexity berücksichtigen neue Inhalte oft innerhalb weniger Tage, während sich eine stabile Präsenz über verschiedene Plattformen hinweg erst durch wiederholte Bestätigung aus mehreren unabhängigen Quellen einstellt. Kontinuität wirkt hier stärker als einzelne Kampagnen.

**Wie lässt sich prüfen, ob ein Unternehmen in KI-Antworten vorkommt?**
Der einfachste Test besteht darin, die typischen Fragen von Kunden als vollständige Prompts in ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity einzugeben und zu protokollieren, welche Anbieter und Quellen genannt werden. Ergänzend zeigt die Website-Analyse, ob Zugriffe von KI-Diensten stammen. Beides zusammen ergibt ein belastbares Bild der Ausgangslage.

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Dipl.-Journ. (FH) Axel Hahne
Kommunikationsberater/-referent (dapr)